THOMAS DÜRST FOTOGRAFIE

Graffiti und Street Art: Murals in München

(5. Dez. 2019)
Murals: große bis riesige Wandgemälde, die ganze Häuserfassaden ein­nehmen und meist über mehrere Stockwerke gehen. Die Kunstrichtung des Muralismo hat ihren Ursprung im Mexiko der 1920er Jahre. Bedeutende mexikanische Vertreter der damaligen Zeit sind Diego Rivera, José Clemente Orozco und David Alfaro Siqueiros. Von México aus verbreitete sich der Muralismo in andere lateinamerikanische Länder und die USA.
Heute sind Wandgemälde (ursprünglich spanisch als Murales, heutzutage meist englisch als Murals bezeichnet) in der ganzen Welt verbreitet; es gibt Tausende davon (in München nicht ganz so viele), und jedes Jahr kommen Hunderte weitere hinzu.

Schon allein aufgrund ihrer Größe können Murals nicht in einem Tag fertig gestellt werden. Auch sind die Arbeiten ohne Hebebühne o.Ä. nicht aus­führbar. Murals können daher keine illegalen Street Art-Werke sein.
Die Kosten für ein Mural liegen schnell im fünfstelligen Euro-Bereich. Ohne Sponsoren können Murals daher nicht verwirklicht werden. So fördert die Stadt München seit 2014 Graffiti und Street Art mit jährlich 180 000 Euro. Zusätzlich erhält der Kunstverein Positive Propaganda e.V. seit 2016 von der Stadt jährlich 100 000 Euro. Dazu kommen Sponsoren aus der Wirtschaft.

Alle Fotos: © Thomas Dürst 2019



Urheber: Münchner und Münchnerinnen; das Werk entstand im Rahmen eines Workshops des mexikanischen Künstlers Sergio Checo Valdez während des Festivals „Arte Popular Mexicano en Munich“; August 2015
Ort: München Westend, Ligsalzstr. 8
Zum Werk: Ein sogenanntes „kommunales partizipatives Wandbild“ (Mural Communitario Participativo). Diese Werke, von denen es im México bereits eine ganze Reihe gibt, entstehen als Gemeinschaftsarbeit von Bewohnern der jeweiligen Gemeinden. Die Idee dazu geht auf Sergio Checo Valdez zurück.
(siehe auch El mural que dio vuelta al mundo)



Urheber: KRIPOE (Mitglied der CBS Crew, Berlin), 2012
Titel: Hände hoch für Waffenkontrolle!
Ort: München, Dachauer Straße 114 (einsehbar von der Schwere-Reiter-Straße aus)
Zum Werk: Das Werk ist auf Anregung und mit Unterstützung von Positive Propaganda e.V. entstanden. Die gelben Fäuste gelten als Symbol für Rebellion und Anarchie.
KRIPOE´s gelbe Fäuste (die manchmal auch weiß sind), gibt es in München auch an anderen Orten (z.B. im Bahnbereich zwischen Hackerbrücke und Hauptbahnhof oder an der Landshuter Allee) und in anderen Städten (Berlin, Istanbul, ...).



Urheber: WON ABC (Markus Müller), 2019
Ort: Umspannwerk der Stadtwerke München, Obergiesing, Zehentbauernstraße 8/Ecke Tegernseer Landstraße
Zum Werk: Das wohl größte Mural Münchens, mit Motiven der Räterepublik von 1918, angefertigt anlässlich des 100sten Geburtstags des Freistaats Bayern. Dargestellt sind die Anführer der Räterepublik Kurt Eisner, Sarah Sonja Rabinowitz/Lerch, Erich Mühsam, Gustav Landauer und Ernst Toller.
Auf der Nordseite des Gebäudes malte WON ABC ein weiteres Mural, das seinem Lehrer an der Münchner Akademie der Bildenden Künste Robin Page („Bluebeard“) gewidmet ist.
Website von WON ABC



Urheber: Ericailcane (Italien), September 2015
Titel: Gentrifikation
Ort: München, Tulbeckstraße 43
Zum Werk: Initiator ist der Verein Positive Propaganda e.V.
Das Werk ist in einer Tafel, angebracht neben dem Mural, näher beschrieben. Auszug: „Ähnlich wie mancher Mensch lebt der Specht am liebsten alleine in einer großzügigen Höhle, die er nicht mit anderen teilen möchte. In diesem Fall jedoch hat der Specht nicht mit dem Widerstand der Anwohner, den dort beheimateten Ameisen und Glühwürmchen, gerechnet, die sich gemeinsam gegen den Angreifer und seinen Hunger nach Nahrung und „Wohnraum“ wappnen.
Website von Ericailcane
siehe auch Website des Vereins Positive Propaganda e.V.



Ort: Feuerwache 2, München-Sendling; an der Boschetsrieder Straße, Nähe Ratzingerplatz



Urheber: NoName, vermutlich 2018
Titel:?
Ort: München-Sendling, Busbahnhof Aidenbachstraße
Zum Werk: spricht für sich selbst



Urheber: Agostino Iacurci (geb. in Italien, lebt in Berlin), September 2017
Titel: Ficus indica
Ort: München, Ecke Landsbergerstraße 20 / Max-Friedländer-Bogen
Zum Werk: Ficus indica ist eine typische Pflanze der italienischen Region Apulien, in der Agostino geboren wurde. Charakteristisch für seine Murals (weltweit mehr als 30) sind vereinfachte Formen.
Website von Agostino Iacurci


Urheber: ESCIF (Spanien), 2016
Titel: Durch die Blume gesagt
Initiator: Stadt München (Bürgermeister Josef Schmid)/ Positive Propaganda e.V.
Ort: München, Paul-Heyse-Straße 20
Zum Werk: Das Bild bezieht sich auf die zahlreichen Flüchtlinge und den Zusammenhang ihrer Flucht mit Rüstungsexporten deutscher Firmen, von denen einige in München ansässig sind. Escif bemerkte (so sagt man) bei seinem Besuch in München viele Blumen, so dass er seine Kritik an den Rüstungsexporten sozusagen „durch die Blume“ anbrachte.
Quelle: Website des Vereins Positive Propaganda e.V.



Urheber: Liquen (geb. in Spanien, lebt in México), 2018
Titel: ExHuman, oder The Cabinet of Curiosities
Ort: München, Dachauer Straße 100
Zum Werk: Es soll die Herausforderungen einer modernen Gesellschaft widerspiegeln und Betrachter auf Kuriositäten und Mythen des realen Lebens hinweisen.
Website von Liquen, Homepage
Website von Liquen, Infos zum Werk


Urheber: BLU (Italien), 2015
Ort: München, Ecke Karl-/Luisenstraße
Zum Werk: Diese Arbeit zeigt ein kleinen Menschen, der bereits in jungem Alter mit ausgestreckter Hand vor dem heiligen Tempel steht, um das „große Geld“ abzugreifen (Quelle: Positive Propaganda e.V.).
Website von Blu




Weitere Murals in München ...

... gibt es z.B. in folgenden Straßen:
Bäckerstraße
Kaflerstraße
Dachauer Straße (mehrere, zwischen Schwere-Reiter- und Sandstraße))
Corneliusstraße
Landshuter Allee
Bergmannstraße
Westendstraße
Elisabethplatz/Nordendstraße,
Bayerstraße
Hofmannstraße
...



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